Welpenerziehung

Das Anspringen

Hunde begrüßen ältere und ranghöhere Rudelmitglieder mit Beschwichtigungsgesten, um sie freundlich zu stimmen. Dazu gehört vor allem das Mundwinkellecken, das sich aus dem Futterbetteln der Welpen entwickelt. Da die Mundwinkel beim Menschen ziemlich weit oben sind, muss der Welpe bei der Begrüßung hochspringen. Das ist oft sehr lässtig.

Gehen Sie bei der Begrüßung in die Hocke. Halten Sie ihm die Hand als Ersatz für den Mundwinkel hin. Drehen Sie den Kopf ein wenig zur Seite und schauen Sie den Welpen nicht direkt an. Sie zeigen ihm damit, dass Sie nicht aggressiv gestimmt sind. Bleiben Sie ruhig und gelassen.

Streicheln und begrüßen Sie ihn nur, wenn er mit allen 4 Füßen auf dem Boden steht. Halten Sie die Begrüßung kurz. Vermeiden Sie übermäßige Emotionen.
Übermäßige Aufregung bei der Begrüßung ist ein vom Menschen antrainiertes Verhalten.

Hunde untereinander tun so etwas nicht.

Wer ist der Chef im Haus ?

Ihr Welpe braucht einen souveränen Führer, der ihm Sicherheit gibt und ihm hilft, sich im Leben zurechtzufinden. Sie sind in den Augen des Welpen ein fast allmächtiger Gott. Sie sind viel größer und stärker, sie geben ihm Futter, Sie bestimmen, ob und wann er spazieren gehen oder Kontakte mit anderen Hunden oder Menschen haben kann. Sie können die Haustür und den Kühlschrank öffnen. Wenn Sie sich jetzt noch wie ein Leittier benehmen, werden Sie der Rudelführer.

Ein Rudelführer lässt sich nicht manipulieren. Achten Sie darauf, dass Sie nur erwünschte Verhaltensweisen Ihres Welpen durch Zuwendung belohnen. Wenn Sie sich mit dem Welpen beschäftigen möchten, ergreifen Sie die Initiative.

Spielen Sie so oft wie möglich mit dem Welpen. Halten Sie die Spielsachen unter Verschluss. Holen Sie diese nur heraus, wenn Sie spielen möchten und legen Sie die Teile wieder weg. Brechen Sie das Spiel immer ab, bevor Ihr Welpe die Lust verliert

Verhalten Sie sich in kritischen Situationen ruhig. Ein Rudelführer sollte niemals die Nerven verlieren und hektisch reagieren. Wenn der Welpe Sie anknurrt oder nach Ihnen schnappt, bleiben Sie ruhig. Hunde tun das nur, wenn Sie sich bedroht fühlen. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihm nichts tun werden, indem Sie den Kopf leicht zur Seite drehen und ihn nicht direkt ansehen. Warten Sie einen Augenblick und gehen Sie dann weg. Beachten Sie den Welpen einige Minuten nicht.

Reagieren Sie nie mit Schimpfen oder Strafmaßnahmen, wenn Ihr Hund Sie bedoht. Sie werden dadurch angreifbar und verlieren Ihr Gesicht. Der Chef lässt sich nicht provozieren. Nur wer sich bedroht fühlt, reagiert mit Gegenaggression. So etwas haben Sie nicht nötig.Mit einer solchen Einstellung stehen Sie himmelhoch über Ihrem Hund.

Gehen Sie vor Ihrem Welpen durch die Tür und begrüßen Familienmitglieder oder Gäste, bevor der Hund es tut. Ranghöhere haben das Privileg des Vortritts und sie entscheiden, wer willkommen ist und wer nicht.

Erlauben Sie Ihrem Welpen nicht auf den Möbeln zu liegen. Wenn Sie ihm einen Platz auf dem Sofa geben möchten, legen Sie eine Hundedecke dort hin. Gestatten Sie dem Hund nur auf dieser Decke zu liegen. Wenn die Decke nicht auf dem Sofa liegt, ist der Platz für den Hund tabu. Erhöhte und zentrale Liegeplätze sind ein Privileg der Ranghöheren.

Thema: Lernspiele

Je nach Rasse und Neigung vertreiben Hunde sich die Zeit unterschiedlich: die einen plantschen gerne, andere ziehen laufend ihre Kreise oder jagen einem Ball hinterher. Bei einigen Spielen sind wir als Mensch nicht gefragt. Häufig können und manchmal müssen wir mitspielen. In jedem Fall aber ist es wichtig, die Hunde - Spielregeln zu kennen.

Eines ist sicher, spielen ist sozusagen das Wundermittel gegen Aggression, Ängstlichkeit, Rauflust, Kläff-Exzesse und Fettsucht. Das Problem dabei ist nur allzu oft der Mensch, der als Spielverderber auftritt und seinen Hund völlig aus der Rolle wirft. Denn anders als der Hund kennen wir oft die Spielregeln nicht oder wir missverstehen sie. Und dann schlägt der nützliche Zeitvertreib ins Gegenteil um.

Wenn wir aktive Phasen im Leben unseres Hundes sinnvoll ausfüllen wollen, müssen wir zunächst einmal die drei Spieltypen unterscheiden:

Hunde spielen miteinander, um Mimik und Gestik zu trainieren, das Verhalten im Rudel zu üben, ihre Stellung innerhalb der Hierarchie unter Nachbars-Hunden festzustellen, ihre Grenzen kennenzulernen und kleine Reibereien spielerisch aus der Welt zu schaffen.

Hunde spielen mit Objekten, um ihren Stöber-, Jagd-, Hetz- und Apportiertrieb auszuleben, überschüssige Energien abzureagieren, mangels echter Beute ihrem Fang-, Schüttel- und Tötungstrieb nachzugeben oder einfach, um Dampf abzulassen, weil ihr Tagesablauf zu öde ist.

Hunde spielen mit dem Menschen, weil sie ihn lehren, sich mit ihm messen oder ihm gefallen wollen.
Unter welcher Prämisse das Hund-Mensch läuft, hängt vom zweibeinigen Mitspieler ab.
Gezielt oder unbewusst bestimmt er auch die Regeln, die sein Partner dann konsequent einhält.

Weil alle drei Spielarten - jede auf andere Weise - unmittelbare Folgen auf Gesundheit und Wesen eines Hundes haben, sollten wir unseren Hunden auch die Möglichkeit geben, sie als "Kombi-Set" auszuüben. Wer nur mit seinesgleichen spielt, entwickelt ein gestörtes Verhältnis zum Menschen. Wer sich lediglich an Objekten schadlos hält, wird buchstäblich asozial und wenn der Mensch der einzige Spielpartner bleibt, droht sein Gefährte zum Egomanen zu werden, der sich selbst nicht mehr richtig einzuschätzen weiß.

Schon den Welpen tut es gut, beim Zusammentreffen nicht nur mit Gleichaltrigen zu erleben, dass es stärkere und schwächere gibt, dass manchmal Wadenzwicken schmerzhafte Gegenbisse zur Folge hat. Sie lernen, wie man droht und Angst zeigt, sich unterwirft und Unterlegene links liegen lässt.
Die gleichen Rollenspiele prägen auch die Pulks auf unserem Hundeplatz. Jeder Neue, der sich in die Spielszene schleicht, wird erst einmal auf Stärke und Selbstbewusstsein getestet. Das konnten wir gerade in den letzten beiden Wochen sehr schön beobachten.

Hat dieser Hund dann seinen Platz in der Hierarchie des Spielrudels gefunden, übernimmt er die ihm zugedachte Rolle - alle Teilnehmer vollziehen spielerisch den ganz normalen Alltag eines menschenlosen Rudels nach. Diese regelmäßigen Treffs ersticken die Rauflust im Keim und lassen übervorsichtige Feiglinge auftauen.

Damit die Verteilung der Rollen aber wirklich klappt und alle Hunde lernen, sich ohne ernsthafte Beißereien zu verständigen, darf der Mensch sich nicht einmischen. Weder sollte man seinen Hund aus solch einem Manöver herausrufen, noch eingreifen, wenn der eigene "Kleine" mal einen derben Puff erhält oder der eigene Prachtkerl vor einem Gegner die Flucht ergreift. Raushalten heißt die Regel Nummer Eins, niemals mit angeleintem Hund zwischen die anderen spielenden Hunde, lautet die zweite. Damit stört man nicht nur,man bringt auch das Gruppengleichgewicht aus dem Lot und nicht zuletzt den eigenen, angeleinten Hund völlig aus der Fassung.

Bei Objektspielen aller Art dagegen können wir mitmischen, müssen aber nicht. Viele Hunde vertreiben sich die Zeit mit Zufallsfunden - nehmen zum Beispiel einen Ast auf, schütteln ihn tot, tragen ihn in ein Versteck und knabbern genüsslich daran. Oder sie raufen mit einem Plüschtier. Solche Vergnügen sollte man seinem Hund gönnen und sich über diese Zeichen von Lebenslust freuen. Nur: Wenn wir uns entschließen, mitzuspielen, müssen wir auch am Ende als Sieger dastehen. Dabei braucht man keine Angst zu haben, denn Hunde sind normalerweise faire Verlierer und ärgern sich nicht wie wir Menschen. Warum man seinem Spiel-Gegner keinen Sieg gönnen darf? Weil er das falsch versteht. In seiner Vorstellung behält der Rudelführer nämlich immer recht und darf sich alles nehmen. Spielerisch stellt man seinen hohen Rang als Mensch also unter Beweis, wenn man am Ende der Vorstellung Stöckchen, Ball oder Plüschtier an sich nimmt. Für alle, die denken, man müsse dem Hund auch einmal einen Sieg gönnen, ist unbedingt Umdenken angesagt.

Wie hoch der Hund uns einschätzt, zeigt sich im Spiel ganz deutlich. Jeder kann einmal für sich überlegen: Fordert der Hund zum Spielen auf und man fügt sich? Bestimmt er die Spielzeit und -dauer? Erliegt dabei der Hund mit Wonne jeder Ablenkung? Wenn ja, dann ist derjenige für seinen Hund nicht viel mehr als ein ganz netter Kollege, vielleicht sogar nur ein Untertan. Beides sollte man unbedingt ändern - auch das geht am besten im Spiel.

Spielen - aber bitte mit Tiefgang
Jeder Hund hat eine Vorliebe für bestimmte Spiele, die man ab dem Tag X, den man sich setzt, ausnutzt. Rennt er für sein Leben gern, macht man genau das mit ihm. Apportiert er mit Freude, lässt man ihn Beute bringen ( Zeitung, Ball, etc.), gibt er gerne Pfötchen oder tanzt auf zwei Beinen, fängt man eben damit an.

Der Unterschied zum ungezielten Spiel: Ab sofort bestimmt der Mensch Anfang, Verlauf und Ende, er gibt Richtung, Tempo und Spielregeln an. Und - schon wieder muss man umdenken - beim Mensch - Tier - Spiel soll der Hund Erfolgserlebnisse haben, er darf siegen. Warum? Weil bei diesen Spielen Hund und Mensch sich nicht aneinander messen, sondern der Hund für seinen Menschen Leistung zeigt. Ein Unterschied, den er klar erkennt, den wir Menschen uns aber erst deutlich vor Augen halten müssen.

Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, nutzt man Zufallserfolge z.B. beim Spaziergang. Wenn beide in eine schnellere Gangart verfallen, ruft man gleichzeitig "Lauf" und heizt den Jogger noch kräftig an z.B. mit "Jawohl!" Auch das "Hier" hat dann keinen befehlsmäßigen Unterton, sondern klingt aufmunternd und zieht ein jubelndes "Prima" nach sich, wenn der Hund mit einem die Richtung wechselt. Zeigt der Hund Unlust oder Verweigerung, bricht man sofort ab. Man lässt es nicht soweit kommen, dass er das Ende der Spielereien bestimmt. Seinen Willen ignoriert man am deutlichsten, indem man genau das Gegenteil von dem tut, was er will. Ein Beispiel: Der Hund will lostoben, man besteht aber ein kurzes Stück zumindest mit Leine auf langsames Tempo. Er will anhalten und schnüffeln, man rennt jedoch los.

Bleibt man einige Male konsequent, hat der Hund gelernt, sich auf den Menschen und seine Wünsche zu konzentrieren. Um den ersehnten Jubel hervorzurufen, die Freude des Menschen zu spüren, stolz das Lob in Empfang zu nehmen. Denn sobald ein Hund seinen Menschen nach Hundeart als Ranghöheren akzeptiert hat, will er nur noch eines: Beachtung und Achtung durch den Menschen